Tauchtechnik von MEDI* Leipzig – eine (ost)deutsche Geschichte * MEDI wird hier synonym für die wechselnden Bezeichnungen des Betriebes verwendet. Inhalt Vorbemerkung 1. Vorgeschichte und Gründung des Betriebes 2. Entwicklung des VEB Medizintechnik Leipzig 3. Tauchtechnik bei MEDI 3.1. Sauerstoff-Kreislaufgerät MEDI-Nixe 3.2. Schlauchtauchgerät STG 721 3.3. Pressluft-Tauchgerät MEDI 713 3.4. Pressluft-Tauchgerät MEDI Hydromat 3.5. Vollgesichtsmasken 3.6. Sauerstoff-Kreislauf-Tauchgerät RG-UF(/M) Vorbemerkung Alte Technik hat es gegenüber alter Kunst schwer! Tauchtechnik von MEDI aus der ehemaligen DDR ist heute in den Kreisen von Interessierten an al­ten Tauchgerätschaften immer präsent, trotz der schmalen Palette von nur fünf Grundgeräten und der kurzen produktionsaktiven Zeit von etwa 20 Jahren. Sammler in ganz Europa, Asien, Amerika und Australien haben MEDI-Geräte und interessieren sich für ihre Provenienz. Der überwiegende Teil der Produkte ist trotz der schwierigen industriellen Entwicklungsbedingun­gen von ingenieurmäßig guter Qualität, muss den Vergleich mit zeitgleichen Produkten anderer Hersteller nicht scheuen und kann auch heute noch zum Tauchen verwendet werden [42]. Wegen des lange abgekapselten Wirtschaftssys­tems der DDR in Richtung NSW (Abkürzungsver­zeichnis im Anhang) ist den meisten Liebhabern dieser Technik nicht allzu viel über das Herkom­men und die Einordnung ihrer Sammlerstücke be­kannt. Dies trifft aber selbst auf diejenigen zu, die mit dieser Technik das Tauchen erlernt und lange betrieben haben. Der Autor hat ehemalige Mitar­beiter von MEDI und andere Zeitzeugen befragt und im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig alte be­triebliche Unterlagen durchsucht, um die Tauchtechnik-Entwicklung und -Produktion von MEDI vorzustellen. Es wird auch versucht, die Produkte zeitlich und mengenmäßig einzuordnen, was aber wohl noch ein längerer Prozess im Dialog mit anderen Interessierten sein wird. Das VEB Kombinat MLW mit seinem Stammbetrieb MEDI kam 1989/90 an die Treuhandanstalt zur Abwicklung und wurde dadurch zu einem staatseigenen Betrieb. Dem verdanken wir den glücklichen (gesetzlich bestimmten) Umstand, dass alle betrieblichen Dokumente in das Sächsische Staatsarchiv, Zweigstelle Leipzig, gelangten, wenn auch nicht sehr vollständig und verständlicherweise lustlos geordnet und aufbereitet. Damit ging zumindest die Geschichte dieses für uns bedeutungsvollen Herstellers nicht klanglos unter, wie es zur Wende bei vielen Betrieben der Fall war, die zunächst von privaten Eignern übernommen und dann von diesen geschlossen wurden. Die Aufbereitung der Dokumente hat ihre Zeit gebraucht und dauert auch noch an. Vieles ist aber schon nutzbar, wenn uns auch die Frauenförderungspläne und der Stand der Werbung für die DSF-Mitgliedschaft nicht so interessieren. 1. Vorgeschichte und Gründung des Betriebes Tauchtechnik wurde in der 1949 aus der sowjetischen Besatzungszone des Kriegsverlierers Deutschland gegründeten DDR in Leipzig unter den Firmenmarken MEDI bzw. später MLW hergestellt. Typisch für die nicht markt- sondern planwirtschaftlich orientierte Volkswirtschaft der DDR war, dass solche Produkte mit wenig Bedeutung und geringen Bedarfs nur von einem einzigen Hersteller kamen. Kapitalistische Konkurrenz sollte durch sozialistische Kooperation und Spezialisierung ersetzt werden. Nur sehr wenige Zubehör- und Zulieferteile für die Tauchtechnik produzierte man in anderen Betrieben der DDR oder später des RGW. In der DDR gab es keine direkten Traditionen auf diesem Gebiet. Der dominierende Hersteller von Tauchgerätschaften in Deutschland vor dem zweiten Weltkrieg war Dräger in Lübeck gewesen [60]. Und diese Firma gehörte nach der Teilung Deutschlands zur BRD, die 1949 schon vor der DDR aus den Zonen der westlichen Besatzungsmächte gebildet worden und auf einmal ein anderer Staat war. Die DDR bemühte sich, von der aufblühenden westdeutschen Wirtschaft, die von "ihren" Siegermächten wirksam unterstützt wur­de, unabhängig zu werden und wollte/musste dabei weitgehend ohne Importe, auch von Tauchtechnik, aus dem "Westen" auskommen. Dies geschah einerseits aus ökonomischen Gründen, man hatte nicht genug ''harte Devisen'' für den Import. Andererseits hatte diese Technik eine gewisse militärische Bedeutung und unterlag damit dem im Kalten Krieg von den Westmächten verordneten Lieferembargo von militärisch und entwicklungsmäßig relevanten Produkten. Tauchtechnik wurde innerhalb des sozialistischen Lagers auch nicht von anderen Ländern angeboten, zumindest nicht in ausreichender Menge und Qualität [66]. Also musste man in der DDR selbst etwas aus dem Boden stampfen, zunächst natürlich vorrangig für den militärischen und professio­nellen Bedarf. Feinmechanische und medizintechnische Traditi­onen gab es in Leipzig. Am 1. Juli 1948 wurden mehrere solcher Vorkriegsfirmen, die nach dem Volksentscheid vom 30.6.1946 zu Gunsten des Landes Sachsen enteignet worden waren und unter Zwangsverwaltung oder für Reparations­leistungen unter Verwaltung der SMAD standen, durch staatliche Verordnung zu VEB zusammengeschlossen. Zwischen Kriegsende und diesem Zeitpunkt (1948) hatten die Werktätigen dieser Firmen Kriegsschäden notdürftig beseitigt, die wertvolls­ten Einrichtungen demontiert, um sie als Repara­tionsleistungen in die Sowjetunion zu schicken, und schon begonnen, die dringendsten Nach­kriegsbedürfnisse der Bevölkerung zu befriedi­gen, z.B. nach Kochtöpfen und anderen Haus­haltsgegenständen. Auch eine Fräse für Zahnboh­rer hatte sich angefunden, und kleines Zubehör für Zahnarztpraxen fand reißenden Absatz. Dies und der Zufall, dass der neu ernannte Betriebsdirektor, der ehemalige Sequestor der Anschütz GmbH. (s.u.), Herr Bormann, früher in einer Medi­zintechnik-Firma gearbeitet hatte, führte zu dem stolzen Namen des neuen Betriebes, VEB Medi­zintechnik Leipzig. Die beiden wichtigsten Firmen dieses Zusammen­schlusses, auf deren Fachpersonal und allerdings weitgehend leeren Produktionsstätten man zu­rückgreifen konnte, waren die Anschütz GmbH (ursprünglich Nitzsche AG) in der Eisenacher Straße in Leipzig und die Körting & Mathiesen AG in der Leipziger Franz-Flemming-Straße. Die Nitzsche AG geht auf die 1903 gegründete Leipziger Firma Johannes Nitzsche, Kinematographen und Filme, zurück, die u.a. kinematographi­ sche Apparate fabrizierte. Nitzsche (1879-1947) konstruierte selbst Filmprojektoren (Vitagraph, Saxonia, Matador) und stellte sie mit seiner Firma her (ab 1921 Nitzsche Apparatebau AG). 1933 musste Nitzsche wegen finanzieller Probleme an den Konkurrenten Zeiss Ikon aus Dresden verkau­fen. 1938 kaufte die Kieler Anschütz GmbH die Firma. Nach der Enteignung 1946 erfolgte dann die Sequestrie­rung, da man in der Eisenacher Straße kriegs­wichtige Geräte (u.a. Krei­selkompasse) hergestellt hatte. Die Firma Kört­ing & Mathies­en AG wurde 1889 als Bogen­lampenfabrik in Leipzig gegründet (späteres Markenzeichen KANDEM). Auch sie wurde 1946 enteignet wegen der Her­stellung von Flak-Suchscheinwerfern. Teile von Grundmitteln und Belegschaft der Nachfolge­firma VEB Leuchtenbau kamen erst 1962 zu MEDI. Das waren dann also die "Traditionen" der Tauchtechnik-Produktion in der DDR, genauer in Leipzig. Bild 03: Hauptgebäude des Kombinates MLW mit MEDI als Stammbetrieb in der Franz-Flemming-Straße 43-45, das inzwischen rekonstruiert ist. 2. Entwicklung des VEB Medizintechnik Leipzig In den Folgejahren kamen immer mehr Aufgaben der Atemschutztechnik und später der medizini­schen Beatmungstechnik in den weit und breit einzigen Medizintechnik-Betrieb. Der für den Auf­bau der Wirtschaft wichtige Bergbau im sächsi­schen Raum, die Feuerwehren und Rettungen in der wachsenden chemischen Industrie verwende­ten fast ausschließlich Vorkriegstechnik von Drä­ger, Gm30, die als SM 30 bzw. SM 38 weiter ge­nutzt wurden, und auch noch Heeresatmer [41],[45]. Dafür wurden zunehmend Ersatzteile benötigt, die man wegen der Valutaknappheit nicht ausrei­chend von Dräger importieren konnte. MEDI ent­wickelte und baute diese Teile und, wie ein Zeit­zeuge sagte, wenn man alle Teile nachgebaut hat, kann man auch das Komplett-Gerät liefern [01]. In der medizinischen Beatmungstechnik verlief die Entwicklung ähnlich über den Ersatzteilbau zur Projektierung eigener Geräte. So wurde Atem(schutz)technik für Industrie, Feu­erwehr, Grubenrettung und Medizin in breitem Umfang hergestellt. Atemschutzmasken für die bewaffneten Organe und den Zivilschutz impor­tierte man aus dem SW [41]. 1952 wurde der VEB Medizintechnik der Haupt­verwaltung Feinmechanik-Optik unterstellt, even­tuell im Gefolge der Bildung von 15 Be­zirken aus den fünf Ländern auf dem Territorium der DDR im gleichen Jahr. Der VEB verwendete bis 1969 das Logo MEDI. 1958 - 1967 war MEDI der VVB Mechanik zuge­ordnet, in der Carl-Zeiss-Jena Leitbetrieb war und es nach [01] als wohl organisierte Starfirma der DDR sehr ernst nahm, den jungen Betrieben bei der Organisierung der Verwaltung und anderer Prozesse zu helfen. So stellte man beispielsweise 1965 von dreistelli­gen auf fünfstellige Artikelnummern um. Geräte mit nur dreistelliger Nummer sind also die vor 1965 produzierten, z.B. Nixe 711, MEDI 713. Ge­räte mit zwei Nummern wurden über 1965 hinaus produziert, Schlauchtauchgerät 721 bzw. 61001, und Geräte mit nur 5-stelliger Nummer nur nach 1965, Hydromat 66 62017. 1967 - 1969 kam MEDI zur VVB Medizin-, Labor- und Wägetechnik, und 1970 bildete sich dann der VEB Kombinat Medizin-, Labor- und Wägetechnik (bis zur Abwicklung 1990), und das Logo änderte sich 1970 auch zu MLW. In diesem Jahr 1970 waren auch die letzten, bis­her noch privaten bzw. halbstaatlichen, überwie­gend leistungsfähigen Betriebe dem volkseigenen Sektor angegliedert worden, mit sanftem bis ge­waltsamem Druck. Die Eigentümer wurden be­scheiden entschädigt, konnten in ihrem Betrieb weiter arbeiten oder wurden hinausgedrängt. Der VEB Medizintechnik wurde der sog. Stamm­betrieb dieses Kombinates. Die Wägetechnik ver­schwand später aus der Bezeichnung, das Logo blieb aber MLW. Medizin- und Atemschutztechnik bildeten weiter­hin die Schwerpunkte der Produktion des Kombi­nates, tauchtechnische Artikel waren immer nur ein Nebenzweig. Heeresatmer Atemschutzgerät von MEDI Sauerstoff-Retter 1965 hatte der Betrieb 1050 Beschäftigte, davon 90 Entwickler [06], 1974 waren es schon 1200 Be­schäftigte, von denen 120 in der Entwicklung arbeiteten [02]. 1969 - 20 Jahre MLW Die Produktionsstätten von MEDI waren nahezu aus­schließlich in Leipzig in der Franz-Flemming-Straße 43-45 untergebracht, in dem langgezogenen Produk­tionsgebäude (Bild 11/12) hinter dem Vorderhaus aus der Gründerzeit direkt an der Straße (Bild 03), ehemals Körting & Mathiesen. In diesem Vorderhaus saß überwiegend die Verwaltung des Kombinates MLW, dessen Stammbetrieb MEDI war. Die Entwicklungsabteilung von MEDI nahm den gesamten Komplex in der Eisenacher Straße 72 ein, ehemals von der Nitzsche AG erbaut. Dort hatte man mit der Zeit eine einfache Infrastruktur geschaffen, die für die Entwicklung von Tauch- und vor allem auch Atemtechnik nötig war. Es gab ein gefliestes 5-m-tiefes Tauchbecken, einen gro­ßen Überdruckkessel bis 5 atü und eine Kompres­soranlage mit Speicherflaschen und Schutzkam­mern zum Prüfen von Druckflaschen [01]. Tests mit Tauchgeräten wurden auch in den Gewässern um Leipzig durchgeführt [24]. Die Tauchausrüs­tung dazu, einschließlich Trockentauchanzügen, baute man in der Versuchswerkstatt kurzerhand selbst, da auf dem Markt nichts verfügbar war. 1960 geriet MEDI in eine DDR-typische Wachs­tumskrise [08]. Die gewachsene Volkswirtschaft und die Außenwirtschaft verlangten nach immer mehr Atemschutz- und Medizintechnik, und die Produktion platzte in der Franz-Flemming-Straße aus allen Nähten. In den Gebäuden waren noch zwei andere größere Firmen, der VEB Leuchten-bau und der VEB Starkstrom-Anlagenbau, und zwei Berufsschulen untergebracht. MEDI lagerte Material und Fertigprodukte frei zu­gänglich auf den Gängen. Die Endmontage von Medizingeräten fand zeitweise im Speisesaal statt. Außerdem gab es eklatant zu wenige Ar­beitskräfte für die gestiegenen Aufgaben aus dem Volkswirtschaftsplan. Das führte zu einem Qualitätseinbruch bei den Endprodukten, der über Eingaben der frustrierten Nutzer selbst Walter Ulbricht, den damaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR, zum Eingreifen zwang. Atemschutztechnik musste zeitweise wie­der für harte Devisen importiert werden, was im­mer ein druckvoller Auslöser für Veränderungen war. Also wurde MEDI zum Schwerpunktbetrieb erklärt, und der VEB Leuchtenbau musste seine Räumlichkeiten und 210 Mitarbeiter an MEDI ab­treten [04]. Diese Entwicklung dauerte bis 1962. Dass man in der Zeit keine großen Fortschritte für die Tauchtechnik erzielen konnte, sollte klar sein. In den erfolgreicheren Folgejahren bis zur "Wende" 1989 wurde die Produktion von Atem-, Atemschutz- und vor allem Medizintechnik bei MEDI auch von der Qualität her ständig gestei­gert. Der Betrieb entwi­ckelte sich zu einem führenden Hersteller im SW, und es wurde auch in Entwicklungs­länder und das NSW ex­portiert [16]. In die 60er bis 70er Jahre fällt auch die wohl beste Entwick­lung und Produktion von Tauchtechnik bei MEDI, die des modula­ren Presslufttauchgerä­tes Hydromat. Wohl aus Gründen der Ressourcenknappheit und Spezialisierung im RGW. Tauchtechnik sollte in der Deckung des notwendigsten Bedarfs wurde der UdSSR und teilweise in Ungarn und der CSSR diese erfolgreiche Entwicklung ersatzlos 1974 ab-weitergeführt werden. gebrochen. Formal erfolgte das aufgrund der Ergebnisse dieser "Spezialisierung" sind in der Tauchszene der DDR aber nie angekommen. Erst 1976 nahm man unter der Koordinierung durch MEDI als VD-Sache wieder eine RGW-weite Kon­zeption zur arbeitsteiligen Herstellung kompletter modernster Tauchtechnik in Angriff, die Rebreather, Mischgastauchgeräte, modernen Käl­teschutz, Scooter usw. umfasste [02]. Nach unbe­friedigenden Aufwands- und Ressourcen-Ab­schätzungen wurde dieses Vorhaben aber schon 1980 wieder begraben. Gebäude der Entwicklungsabteilung von MEDI in der Eisenacher Straße 72 (einschließlich der Neben­gebäude links und rechts), heute u.a. Sitz der MedServ GmbH www.medserv-leipzig.de. Bild 11: Hintere Produktionsgebäude in der Franz-Flem­ming-Straße, heute eine Industriebrache, Foto: www.rottenplaces.de Ab etwa 1981 gab es übrigens ein Koope­rationsprojekt zwischen Dräger und MEDI [01]. Man entwickelte und produ­zierte eine Vollgesichtsmaske für Dräger, betreut von dem MEDI-Entwickler Wal­ter Görner. Die Produktion lief wohl bis 1989, die Masken wurden in der DDR nicht verkauft. Die politische Wende mit der Angliederung der DDR an die BRD brachte auch für MEDI den wirt­schaftlichen Zusammenbruch, da die Produkte wegen der ungenügenden Arbeitsproduktivität auf dem jetzt offenen Weltmarkt nicht unmittel­bar konkurrenzfähig waren und auch die Bezie­hungen zu den früheren in- und ausländischen Abnehmern wegen der chaotischen Wende- Bild 12: Inneres der hinteren Produktionsgebäude in der Franz-Flemming-Straße heute Foto: www.rottenplaces.de Verhältnisse, die auch im gesamten sozialisti­schen Lager herrschten, zerbrachen. Tauchtechnik bei MEDI betraf das schon nicht mehr, da die Produktion ja bis auf die des RG­UF/M bereits 1974 eingestellt worden war. Dieses Gerät wurde aber offiziell nur im Bereich der NVA eingesetzt und war wegen der Außerdienststel­lung der Panzer der Nationalen Volksarmee 1990 überflüssig geworden. Alle Lagerbestände auch älterer Tauchtechnik wurden verschrottet bzw. containerweise an Inte­ressierte verramscht. Die ehemaligen VEB standen für die Abwicklung des Volkseigentums unter dem Kuratel der sog. "Treuhand". Wohl für den Bereich der VVB MLW wurde 1991 eine Deutsche MED-LAB GmbH Leipzig (HRB1225) unter Führung von westdeut­schen Managern gegründet, die in den "orientie­rungslosen, lethargischen Ostbetrieben aufräu­men sollten" [50]. Diese Firma dirigierte über Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge die Nachfolgebe­triebe von MLW, so u.a. die Medizin- und Atem­schutztechnik GmbH Leipzig (früher MEDI), die Prüfgeräte-Werk Medingen GmbH, die Medizin­möbel GmbH Torgelow, die Dentaltechnik Pots­dam GmbH und entließ zunächst 2.400 der 4.000 Mitarbeiter [50]. MEDI war 06/1991 ebenfalls zu der Medizin- und Atemschutztechnik GmbH Leipzig mit einem Stammkapital von 10 Mill. DM und etwa noch 300 Angestellten [02] umgebildet worden (HRB1226), die jedoch 1992 schon wieder aufgelöst wurde. Die Liquidation zog sich aber noch bis 2002 hin. Auch die stolze MED-LAB GmbH war 1997 schon wieder verschwunden. 1992 gründete Claus Plättner, der schon Prokurist der kurzlebigen Medizin- und Atemschutztechnik GmbH gewesen war, mit wenigen ehemaligen Mitarbeitern von MEDI die MedServ GmbH (HRB 3844). Diese sitzt heute noch (2014) in der Eisen­acher Straße 72 in Leipzig, dem ehemaligen Platz der Entwicklungsabteilung von MEDI, und be­schäftigt sich mit Service an medizinischen Gerä­ten Ebenfalls 1992 übernahm der ehe­malige Konkurrent von MEDI, die Drägerwerk AG, den Bereich Atem­schutz der Medizin- und Atem­schutztechnik GmbH (ehem. MEDI). Man wollte dort weiter Atemschutz­geräte bauen und eine neue Selbstretter-Generation entwickeln und produzieren [51]. Es sollten zu­nächst etwa 35 Mitarbeiter beschäf­tigt werden. Geleitet wurde diese Abteilung von Dipl. Phys. Walter Görner, der zuvor schon die Zusam­menarbeit MEDI -Dräger für eine Vollgesichtsmaske koordiniert hat­te. Mit Dräger Leipzig wollte man auch der Service der noch vorhande­ nen MEDI-Atemschutztechnik absi­chern. Nach [52] war beabsichtigt, etwa 5 Mill. DM zu investieren und perspektivisch 150 Arbeits­plätze einzurichten. Ob diese Pläne in der Dräger Medizin System Technik GmbH (laut B2B-Markt­platz Vertrieb von Praxisbedarf, Ärztebedarf, Krankenpflegeartikeln, Krankenhausbedarf) in­zwischen aufgegangen sind, scheint fraglich. 1999 stellte die Fraunhofer-Gesellschaft in einem Gutachten im Auftrag der Sächsischen Regierung fest: Die Medizintechnik besitzt in Sachsen traditionsgemäß einen hohen Stellenwert. Bis zum Jahre 1990 wurde der Industriezweig wesentlich durch Großbetriebe wie Transformatoren- und Röntgenwerk (TUR) Dresden, Medizin- Labor- und Wägetechnik (MLW) Leipzig und Meßgerätewerk Zwönitz mit insgesamt mehr als 10.000 Beschäftigten geprägt. 1991 betrug die Anzahl der Betriebe in der Medizintechnik knapp 20, bei einer Anzahl von insgesamt 4.200 Beschäftigten. In den fol­genden Jahren bis 1995 ist die Anzahl der Beschäftig­ten auf etwa 1.800 zurückgegangen. Im Anschluss an die Phase von Privatisierung, Aus- und Neugründungen entwickelte sich die Medizintechnik bis zum gegenwär­tigen Zeitpunkt zu einer mittelständischen Struktur, die durch Kleinbetriebe getragen wird. Erstes Tauchgerät von MEDI, das Sauerstoff-Kreislaufgerät Medi-Nixe 3. Tauchtechnik bei MEDI 1954 - 1959 Sauerstoff-Kreislaufgerät MEDI-Nixe 711 (siehe Anhang 3) 1954 - 1969 Schlauchtauchgerät (Helmtauch-) STG 463/721 bzw. 61001 1957 - 1965 Pressluft-Tauchgerät MEDI 713/713A 1965 - 1974 Pressluft-Tauchgerät Hydromat 62004 1965 - 1974 Taucher-Vollgesichtsmasken AT 01...03 13023...26 1970 - 1974 Einschlauchregler Hydromat 66 62017 1970 - 1989 Sauerstoff-Kreislaufgerät RG-UF(/M), 62015/62115 Die erste Jahreszahl ist die des echten Produkti­onsstarts. Die Entwicklung und damit der Muster­bau liefen teilweise schon ein bis drei Jahre vor­her. Die zweite ist die der offiziellen Produktions­einstellung. Lagerbestände bei MEDI und den gro­ßen Bedarfsträgern wie MdI und NVA wurden of­fensichtlich noch viel länger Nutzern als Neuge­räte übergeben. Das führte zu dem Eindruck, dass z.B. die Hydromat-Serie bis 1988 produziert worden sei (siehe z.B. Bild eines GST-Tauchge­räte-Passes mit "Baujahr 1981" weiter unten). Außerdem habe ich bei den Nachforschungen im Archiv originale Zeichnungssätze von überarbeite­ten Komponenten des Hydromat-Systems mit dem Datum 1988 und den Namen bekannter MEDI-Entwickler gefunden, die es dann auch wirklich gegeben hat (z.B. MD-Anschluss). Meine beiden Zeitzeugen [01] und[02] wussten davon je­doch nichts. Das ist eigentlich nur so zu erklären, dass MEDI als Erfahrungsträger zwar diese Kon­struktionen gemacht hat, die Produktion dann aber in anderen Betrieben lief, hauptsächlich für den Bedarf von Sicherheitsorganen, der Staatli­chen Plankommission bekannt oder nicht. 3.1. Sauerstoff-Kreislaufgerät MEDI-Nixe 711 Ähnlich wie schon früher bei der Atemschutztech­nik, wenn auch in wesentlich geringerem Umfang, entstand Anfang der 50er Jahre in der DDR zuneh­mend der Bedarf nach leichter und schwerer Tauchtechnik, da die Vorkriegsgeräte verschlissen und zu wenige waren. Durch Devisenschwäche begrenzte Importe konnten den Bedarf der neu gebildeten Seestreitkräfte (1950 Hauptverwal­tung Seepolizei, 1952 VP-See, 1960 Volksmarine) und Landstreitkräfte (1952 KVP, 1956 NVA), der professionellen Taucherei und der sich auch ent­wickelnden Sport- und Forschungstaucherei nicht ausreichend decken. Da man bei MEDI neben den Schutzmasken auch schon Sauerstoff-Retter für den Atemschutzbe­reich, Grubenrettung, Industrie und Medizin, baute, ging man 1953 an die Entwicklung eines Sauerstoff-Kreislaufgerätes für das Schwimmtau­chen, der MEDI-Nixe 711. Bilder aus dem Prospekt 1954 Auch die Reklame wurde selbst gemacht: Heinz Pelz, Leiter der Versuchswerkstatt, als Helfer und die Tochter des Foto­grafen als Modell Durch die Vermarktung des Pressluft-Tauchreglers von Gagnan/Cousteau seit 1945 und seine 1953 schon breit erfolgte Durchsetzung für das professionelle und Sporttauchen war eigentlich der Wettbewerb zwischen Sauerstoff-Kreislaufge­räten nach Hass/Dräger und Pressluft-Behälterge­räten entschieden. In der Atemschutztechnik hatten sich die Behäl­tergeräte aber noch nicht etabliert, da sie noch zu schwer und von zu geringer Nutzungsdauer wa­ren, was allerdings für das Tauchen nicht so be­deutsam gewesen wäre. Ein Kreislaufgerät war außerdem relativ einfach herzustellen und wenig materialaufwändig (machbare geringe Flaschengröße), was der im­mer angespannten Versorgungssituation in der DDR entsprach. Kleine Gasflaschen waren noch aus Heeresbeständen genügend verfügbar, grö­ßere Flaschen (>7 l), tauglich für PTG, konnten noch nicht selbst produziert werden, wie man so­gar später noch für die Hydromaten schmerzlich feststellen musste. Sauerstoff gab es überall, da man ihn zum Autogenschweißen brauchte. Press­luft in Atemqualität hätte die zeitgleiche Entwick­lung von Kompressoren mit entsprechenden Fil­tern oder wieder unakzeptierte Importe erfor­dert. Vorbilder wie das Kreislauf-TG Leutnant Lund II (1950) oder das Schwimmtauchgerät Modell 138 (1952) von Dräger waren vorhanden, und mit den Erfahrungen aus der Sauerstoff-Retter-Produk­tion bei MEDI stellte die Geräteentwicklung selbst kein großes Problem dar. Für die Trimmung wan­derte der Atemsack (Gegenlunge) auf den Rücken, die schwere Flasche war ja schon auf den Bauch. Mit diesem Gerät, der MEDI-Nixe, wurde auch in der DDR der Übergang vom aufrecht stehenden und laufenden Taucher zum schwimmenden Tau­cher vollzogen. Ein neues Problem für die DDR-Entwickler stellte das Regenerationsmittel dar, was das Kohlendi­oxid aus der Ausatemluft beseitigt. In den nicht im Wasser genutzten Kreislaufgeräten für die Gru­benrettung usw. wurde Natriumhydroxid (Ätznat­ron) eingesetzt (in sog. Alkalipatronen). Das rea­giert bereitwillig und effektiv mit feuchter Atem­luft, sodass die Patronen klein und leicht sein kön­nen, was den Einsatz in tragbaren Geräten wie Rettern förderte [62]. Aber das NaOH bildete bei einem Wassereinbruch ätzende Natronlauge, was für den Nutzer sehr gefährlich werden konnte [65]. Deshalb hatte u.a. Drä­ger für Unter­wassergeräte einen granu­lierten Atem­kalk entwi­ckelt, der zu etwa 75% aus Kalziumhydroxid (gelöschter Kalk), nur 5% NaOH und Wasser bestand. Ca(OH)2 ist nur gering in Wasser löslich und so bei Wassereinbruch nicht gefährlich. Es bindet auch kein Wasser wie das Ätznatron, so­dass die Luft feucht bleibt, wärmt die Luft aber auch nicht durch eine stark exotherme Reaktion wesentlich an, wie das Ätznatron. Die Aufnahme von Kohlendioxid durch Na(OH)2 ist massebezo-gen geringer als die von Ätznatron, die Patronen sind also größer und schwerer, was für den UW-Einsatz aber nicht so bedeutsam war. Solch ein Atemkalk wurde in der DDR nicht herge­stellt und musste für die ersten Nixen importiert werden. Um diese Valuta-Ausgaben abzulösen, wurde ab 1957 im VEB Chemiewerk Greiz-Dölau (heute Akzo Nobel) Atemkalk entwickelt [40]. Die eifrigen Erprobungen des Kalks MN 701 mit der MEDI-Nixe führten übrigens zur Bildung eines der ersten Tauchsportclubs in der DDR, der heute noch existiert (TC Greiz) [40]. Der wiederbefüllbare Absorberbehälter der MEDI-Nixe ist aus verchromtem Messingblech und kann so dem feuchten Kalk einigermaßen standhalten. Die Trageweste wird mit einem Bauch- und einem Schrittgurt am Taucher befestigt. Das Mundstück lässt sich über einen Drehschieber oder einen Exenterhebel (spätere Ausführung) verschließen, um das Eindringen von Wasser an der Oberfläche zu verhindern, siehe Bilder 21 & 22. Kreislauf-TG Medi-Nixe, demontiert und als Schema, Foto: M. Müller [48] Das Tauchgerät besteht aus folgenden Hauptteilen: 1. Atembeutel (8 l) mit Absorber für 1 kg Atemkalk und Sicherheitsventil, 2. Sauerstoff-Stahlflasche 1 l, 150 bar (noch aus Heeresbeständen), 3. Regler (150 auf 4 bar) mit Hand-Injektorventil, 4. zwei Atemschläuche mit Mundstück und Rückschlagventilen. Der Konstantfluss von Sauerstoff (0,9 l/min) in Atemsack zurück [22]. Damit kann man etwa 1 h den Atembeutel kann bei Bedarf über ein Injek-tauchen. Die Maximaltiefe war 1954 mit 15 m an-torventil direkt am Sauerstoffregler ergänzt wer-gegeben, heute hat man diese für reinen Sauer-den. Man atmet durch den Einatemschlauch aus stoff auf 7 m begrenzt. dem Atemsack und durch den Absorber in den Die MEDI-Nixe wurde komplett für das Schwimm­tauchen geliefert, mit Flossen, einer zweiglasigen Tauchbrille und einer Nasenklemme. Dieses Zube­hör wurde auch direkt bei MEDI Leipzig nur für die Nixe hergestellt. Erst nach Produktionsende der Nixe wurden diese Gummiprodukte an den VEB Degufa Berlin übergeleitet, auch separat angebo­ten und dort weiterentwickelt. Die Hülle der Nixe wurde übrigens nicht direkt bei MEDI sondern nach dem Entwurf durch die MEDI-Entwickler von den Leipziger Gummiwaren-Fabri­ken gefertigt, ab 1968 VEB ELGUWA. Die Firma wurde schon 1879 in Leipzig gegründet (Richard Flügel) und nahm einen ähnlichen Entwicklungs­weg wie MEDI [48]. Von der MEDI-Nixe wurden etwa 90 Stück/Jahr produziert und zur Rettung und Bergung und leichte Unterwasserarbeiten an die militärischen, behördlichen und auch professionelle Nutzer aus­geliefert. Etwa 200 Stück sollen an die GST und private Sporttaucher (für 625 MDN) gegangen sein [23]. Zu diesen Zeiten des Kalten Krieges interessierte sich sogar die US-Navy für die Nixe. Sie beauf­tragte 1955 mit dem VD-Brief 588-025/1955 die NEDU (Navy Experimental Diving Unit), das Gerät zu untersuchen [53]. So gibt es ein kurioses Bild: Navy seal mit MEDI-Nixe In einem 49-seiti­gen Bericht mit Analysen und Tests kam die NEDU zu dem Ergebnis, dass die Nixe ein inte­ressantes Gerät für das Sporttauchen aber für den militä­rischen Einsatz ohne weitgehende Umbauten nicht geeignet sei. Bei der MEDI-Nixe gab es im Laufe der fünf Produktionsjahre einige kleine Veränderungen, die wesentlichste betraf wohl das Mundstück [48]. Erstes Mundstück der Nixe, Foto M. Müller [48] Spätere Ausführung, Foto U. Busch Die erste Version der Nixe hatte ein Mundstück eingesetzte konische Drehschieber schon bei mit einem Drehschieber zwischen den Schlauch-leichter Verschmutzung verklemmte und nicht anschlüssen und dem Bissstück, wie es auch im mehr dicht zu schließen war. Prospekt zu sehen ist. Dadurch wurde der Ab-Die bald verbesserte und meist produzierte Aus­stand zu den Schläuchen relativ groß, und das führung funktioniert mit einem Exenterhebel und Mundstück war schlecht zu tragen. Membrane zum Verschluss des Mundstücks und Außerdem gab es schon früh viele Anwenderre-ist deutlich kleiner und bequemer. klamationen, da sich der ohne Gummidichtung Eine weitere Variation, die aber nach [01] nicht von MEDI stammte, betraf die Halterung der Sauerstoff-Flasche. Die Flasche liegt bei der MEDI-Entwick­lung nur in einer Stoffschlaufe und wird durch den Anschluss und eine Bandschlaufe dort ge­halten. Das war einigen Anwen­dern wohl nicht sicher genug, und so fügte man in die Stoff­schlaufe eine Verschnürung ein, die die Flasche fester hielt. Diese Änderung entsprach auch den Dräger-Vorbildern. Wie die größeren Bedarfsträger die meisten MEDI-Geräte nach ihren speziellen Bedürfnissen selbst modifizierten, wurde nach [48] auch die Nixe von den Kampfschwimmern der KSK für bessere Atemeigenschaften verändert. Sie erhielt z.B. Atemschläuche mit einem größe-unerfahrenen oder mutwilligen Tauchern mit ren Durchmesser (22 mm statt 18 mm) und Glim-Sauerstoff als Atemgas gegeben hätte. Auch das merventile am Mundstück, und den Regler blasenfreie Untertauchen von Grenzsicherungs-tauschte man wegen höherer Zuverlässigkeit geanlagen zwischen der BRD und der DDR spielte gen den des russischen Kreislaufgerätes ISA-M48 noch keine Rolle, da die Grenze ja bis 1961 einigermaßen offen war. Auch für das Mundstück wurde das des ISA M48 Viele Unterwasserfotografen, die ohne Blasen- eingesetzt und noch um eine Ausblasöffnung er- wirbel tauchen wollten, und Taucher in den hei­ gänzt. Auch die KSK brachte an der Flaschen- mischen Gewässern, für die eigentlich nur der schlaufe die Verschnürung an. Flachbereich interessant war, hätten das Sauer- Solche wegen immer fehlender Kapazitäten nicht stoff-Kreislauf-Gerät gern weiter im Angebot ge- vom Hersteller vorgenommenen Umbauten sehen. Aber solche Vielfalt konnte sich die DDR- durch die Nutzer sind typisch für DDR-Technik Volkswirtschaft nicht leisten, jeweils ein Geräte- und erschweren heute Sammlern oft die Einord- typ musste genügen. Erst etwa 10 Jahre später nung.Das Kleintauchgerät 711 (Nixe) wurde bis war bei MEDI wieder ein O2-Kreisel in Produk­ 1959 produziert und dann durch das PTG MEDI tion, der Panzerretter RG-UF, den es offiziell na ­713 abgelöst. türlich nicht gab. Aber der war über eine eigene Nach [01] wurde die Produktion übrigens nicht S chiene, die LVO-Produktion für militärisch wich- eingestellt wegen vieler Unfälle, die es von tige Objekte, initiiert worden. Tauchtechnik von MEDI Leipzig 3.2. Schlauchtauchgerät STG 463/721 Von einem schweren Helmtauchgerät in der Produktpalette von MEDI habe ich erst vor wenigen Jahren erfahren. Sporttauchern war diese Pro­duktion in Leipzig meist unbekannt. Aber MEDI hat ab 1953 solche Geräte entwickelt und mit allem notwendigen Zubehör bis 1969 selbst produziert [68]. Der Auslöser dafür, nicht der alleinige Grund, war nach [01] wieder ein DDR-spezifischer. Die DDR musste als Reparationsleistung Fisch-Fang- und -Verarbeitungs­schiffe für die Sowjetunion bauen. Entsprechend einer Forderung der sowjetischen Abnehmer gehörte zu jedem dieser Schiffe eine schwere Tauchausrüs­tung für Wartungs- und Havarie-Arbeiten. Helm STG 721 Helm STG 53 (externer Name) bzw. STG 463 (bei MEDI) Schuh zum STG Die Schuhe sind aus Gusseisen, nicht etwa aus pflegeleichterer Bronze, die so kurz nach dem Krieg in der DDR nicht zur Verfügung stand. MEDI hat den Guss nicht selbst ausgeführt, sondern eine andere Leipziger Firma damit beauftragt. Taucherautomat des STG 721 Nach Informatio­nen eines Sammlers soll der Guss bei LES (Leipziger Eisen und Stahl) erfolgt sein. Re­cherchen im Bereich 1957-67 im Sächs. Landesarchiv haben dafür aber bisher keine Anhaltspunkte erbracht. Für den Automaten habe ich eine Einstellvorschift von 1953 gefunden [71] Gesamte Helmtauchausrüstung Handhebelpumpe zum STG721 Brustgewicht zum STG 721 Importe wären wieder nur aus dem westlichen Ausland möglich gewesen und devisenmäßig zu teuer. Dazu kam natürlich der Bedarf, der mit dem Ersatz der verschlissenen Vorkriegsgeräte in der DDR-Wirtschaft und vor allem mit der Bildung von Pioniertruppen und Volksmarine entstanden war. Also machte man sich bei MEDI daran, die kom­plette Ausrüstung zu entwickeln und zu fertigen. Wegen des Zeitdrucks wurde zunächst auf Vorbil­der zurückgegriffen, in diesem Falle auf Dräger-Helmtauchausrüstungen. 3-Bolzen-Helm aus Kupfer, Anzug aus gummier­tem Gewebe in drei Größen, Schuhe, Brust­gewicht, Schläuche und Handhebelpum­pen 73x entstanden im eigenen Hause, nur die Sprechanlage importierte man. Der Helm des ersten Typs, des STG 463, war seinem Dräger-Vorbild so ähnlich, dass man z.B. in der Volksmarine Ersatzteile wechselweise einsetzte [43]. Der einzige Unterschied zum Drä­ger-Vorbild war der Pressluftanschluss, gefräster Messing-Körper bei MEDI, Messing-Gussteil bei Dräger. Die Helme wurden anfangs sogar ohne MEDI-Logo auf dem Brustschild ausgeliefert. Erst später entschloss man sich, dort das Logo MEDI einzuprägen. Dieses Plagiat musste man dann doch langsam durch eine eigene Entwicklung ab­lösen, denn die Wirtschaften der beiden deut­schen Staaten waren um 1955 noch relativ eng verbunden. Für den Helm war also zunächst eine kugelför­mige Ausführung gebaut worden (STG 463, bei den Pionieren der NVA STG 53 genannt [44], sehr ähnlich zum Dräger 3b) und in der nachfolgenden Entwicklung dann eine mehr elliptische Form (STG 721), offiziell, um das Volumen zu verklei­nern [43], aber ev. auch, um den Patent- und Ge­brauchsmusterschutz von Dräger zu umgehen. In den Beschreibungen eines Sammlers [44] habe ich weitere Bezeichnungen von Ausführungsfor­men gefunden, STG 53 und STG 713 (kurzer Hals), die sich in mir zugänglichen MEDI-Unterlagen ne­ben STG 463/721 aber nicht wieder fanden. 53 kann keine Artikelnummer von MEDI sein, da diese 3- oder 5-stellig waren. Eventuell ist es ein Kürzel für das Herstellungsjahr. Die Nummer 713 wurde für das PTG MEDI 713 verwendet. Auch nach [01] gab es bei MEDI keine anderen offiziell produzierten Teile als 463 bzw. 721. Es könnte sich also um interne Bezeichnungen von großen Bedarfsträgern handeln (STG 53 z.B. im Pionier-einsatz bei der NVA). Wegen der Wichtigkeit als Reparationsleistung und für das aufzubauende Militär wurde sogar der Buntmetallbedarf für die Ausrüstung geschul­tert. 1969 hatte man zur Abmilderung noch einen Helm aus glasfaserverstärktem Polyester entwickelt, den man aber nicht mehr produzie­ren konnte, weil die Produktlinie durch staatliche Weisung 1969 überraschend eingestellt wurde. Insgesamt wurden nach [01] in den 15 Jahren etwa 150 Ausrüstungen gebaut (etwa 80 Hand­hebelpumpen 734, bei Parallelschaltung von zwei Pumpen bis 40 m einsetzbar), die heute bei Sammlern einigermaßen gefragt sind. Engagierte Sammler, die auch selbst recherchiert haben, schätzen diese Zahl höher ein, etwa 250 bis 350 Stück. Exakte Produktionszahlen ließen sich bis­her leider nicht ermitteln. Die Helme als Kernstü­cke der Ausrüstungen wurden von MEDI nicht mit fortlaufenden Seriennummern versehen. Sie er­hielten erst bei den jeweiligen Bedarfsträgern ei­gene Nummern, die auch erst danach in den be­gleitenden Gerätepässen auftauchten. 3.3. Pressluft-Tauchgerät MEDI 713 Das PTG MEDI 713 folgte 1957 für den allgemei­nen Bedarf uberlappend auf das Sauerstoff-Kreis­laufgerät MEDI-Nixe 711. Dieser Übergang hing wohl nur mittelbar mit der internationalen Entwicklung von Tauchtechnik zusammen, in der Pressluft-Tauchgeräte gegen­über Kreislaufgeräten jetzt eindeutig dominier­ten. Aber auch in der Atemschutztechnik, die ja das Hauptfeld von MEDI war, hatten sich Behäl­tergeräte durchgesetzt und überall dort die Rege-nerationsgeräte verdrängt, wo nicht unbedingt sehr lange Nutzungsdauer und geringes Gewicht erforderlich waren (nur noch Bergretter, Höhenatmer und Medizinbeatmung) [63]). 1958 war bei MEDI noch der Sauerstoff-Selbstretter 852 bis zum Prototypen entwickelt worden, wurde dann Kleiner Kompressor mit Elektroantrieb aus Gera Feuerwehren und andere Rettungskräfte setzten wegen der einfacheren Handhabung und den inzwischen leichteren Gasflaschen (3...4 l) Behältergeräte mit Pressluft ein. Auch erste für Atemluft notwendige Kompressoren waren entwickelt worden (VEB Geraer Kompressorenwerk, heute Kaeser Kompressoren, siehe Bild). So lag es nahe, dass man bei MEDI die Erfahrungen aus dem Bau von Behältergeräten auch in ein Tauchgerät mit Pressluft umsetzte. Dem MEDI 713 merkte man dann auch an, dass die Konstrukteure vorher Atemschutzgeräte entwickelt hatten. MEDI 713 aus dem Prospekt Es hatte nur zwei 3-l-Flaschen, obwohl das höhere Gewicht von 4- oder gar 7-l-Flaschen unter Wasser nicht bedeutsam gewesen wäre. Vielleicht war aber auch die mangelnde Verfügbarkeit von Stahlflaschen in der DDR schuld an der Beschränkung. Zunächst wurden für das MEDI 713 IWK-Flaschen aus der BRD importiert. Dann produzierte man im Stahlwerk Apolda (seit 1957 Flaschenproduktion, heute eurocylinder systems) auf Basis einer von der Sowjetunion gekauften Fertigungsstraße Stahlflaschen aus sowjetischen Rohren. Da die Rohre von schlechter Qualität waren, waren es auch die Flaschen [01]. Nachdem einige Flaschen zerknallt waren, wurde jede angelieferte Flasche bei MEDI in einer in der Versuchswerkstatt selbst gebauten Testanlage geprüft. Auch dem Regler merkt man an, dass da nicht bei La Spirotechnique oder Dräger abgeguckt worden war. Es standen keinerlei Vergleichsgeräte körperlich zur Verfügung, es gab höchstens einige bunte Messeprospekte und wenig instruktive Zeitschriftenartikel zu der westlichen Technik. Ohne die Druckverhältnisse beim Atmen in Schwimmlage zu berücksichtigen, wurde der Regler zunächst servicegünstig, aber eine hohen Atemwiderstand erzeugend, nach hinten ragend am Gerät montiert, siehe Bild rechts. Die Faltenschläuche waren sehr lang. Man musste erst mühsam die Erfahrungen sammeln, die später zur erfolgreichen Entwicklung des Hyd­romat 62004 führten. Das MEDI 713 wurde dann doch noch ein benutz­bares Tauchgerät, weit verbreitet bei professio­nellen und militärischen Nutzern, der GST und so­gar bei Bruderorganisationen anderer sozialisti­scher Länder [66]. Es hatte einen großen einstufigen Regler, der im­mer in dem Rufe stand, ziemlich schwergängig zu sein (genannt der "Saugnapf"). Das Gerät war angenehm tragbar, erlaubte aber wegen des geringen Luftvorrates (2x3 l, 150 bar) keine größeren Tiefen oder längere Tauchzeiten. Da aber zumindest für die Sporttaucher zunächst auch keine wirksamen Kälteschutzanzüge verfüg­bar waren und die Nutzung nur in heimischen Ge­wässern erfolgen konnte, tauchte man sowieso nicht lange und tief (für das MEDI 713 hersteller-seitig 15 m zugelassen). MEDI 713A Foto: D. Surani MEDI 713A mit Auftriebskörper, Foto: M. Müller [48] Nach einigen Jahren wurde das MEDI 713 noch etwas zum 713A modernisiert und erhielt 200­bar-Flaschen, Schwimmkörper aus PVC-Schaum (aus Platten ausgesägt) und ein 2-Wege-Mund­stück (Ventil nur im Einatemschlauch). Eine noch frühere Veränderung war die am Tragegestell, das zunächst komplett aus Rohren bestand und dann als Lendenstütze ein U-Profil erhielt. Zu welchen Ergebnissen die mangelnden Erfahrungen bei der Reglerentwicklung und die fehlenden eigenen Verbindungen zum Tauchen neben dem etwas skurrilen aber doch nutzbaren MEDI 713 auch führen konnten, zeigt der Entwurf eines Reglers, den ein Konstrukteur bei MEDI in Eigen­initiative ausführte. Der Konstrukteur, der wohl aus der Feinmecha­nik kam, hatte einen so komplizierten Regler ent­worfen, dass der unter Praxisbedingungen nie funktioniert hätte und deshalb auch nicht offiziell entwickelt wurde. Hans Pelz [01], ehemals Leiter der Versuchswerkstatt bei MEDI, hat mir gegenüber immer bemängelt, dass die Reglerentwicklung bei MEDI, auch die der Regler in der Atem- und Atemschutztech­nik, aus Zeit- und Kapazitätsgründen nie genügend wissenschaftlich durchdrungen war. Man beobachtete immer nur das (fehlerhafte) Verhalten und Effekte bei den Erprobungen und versuchte, die Regler empirisch zurecht zu basteln. Das ist in ganz Europa aber wohl nicht besser gewesen. Man findet von Spirotechnique, Po­seidon, Apeks, Dräger, … keine wissenschaftlich untermauerten Arbeiten zum dynamischen Verhalten von Tauchreglern aus dieser Zeit. Hat man überall nur nach "Versuch & Irrtum" entwickelt? Pelz strebte deshalb eigentlich eine Dissertation an einer TH zu diesen Problemen an, sammelte auch schon Material aus seiner Praxis dazu, scheiterte aber dann am Desinteresse der Verantwortlichen. Die heutigen rechnergestützten Testverfahren und Prozess-Simulationen waren damals natürlich nicht denkbar, aber es fehlte auch der Anspruch, diese nicht ganz so wichtige Sache ausreichend zu durchdringen....jeht doch, oder? Romantischer Prospekt im Zeitgeschmack für das Hydromat-System 3.4. Pressluft-Tauchgerät MEDI Hydromat 62004 und 62017 Schon um 1960 wurde auch bei MEDI klar, dass das PTG MEDI 713 (seit 1957 in Produktion) we­gen der geringen Tauchzeit und der beschränkten Tauchtiefe die weiteren Anforderungen trotz der 1960 erfolgten Überarbeitung (200-bar-Flaschen, 2-Wege-Mundstück,…) nicht mehr erfüllen konnte. Man ging diesmal eine Neuentwicklung entspre­chend den bescheidenen Möglichkeiten (personell und von verfügbaren Informationen her) etwas fundierter an. Der Konstrukteur Karl-Heinz Lange erstellte bis 06/1961 einen „Studienentwurf über die zweck­mäßige Konstruktion von DTG“ [12], der Grund­lage für die Entwicklung des modularen PTG Hyd­romat 6200x wurde. Lange kam in der Studie zu dem Schluss, dass das neue Gerät einen zweistufigen 2­Schlauch-Regler und eine „Rück­zugswarneinrich­tung“ (Reserve­schaltung) haben solle und dass das Gerät entspre­chend seiner je­weiligen Arbeits­aufgabe leicht aus ein bis drei 7­l-Flaschen konfigurierbar sein müsste. Als einziges reales Refenzmodell stand nur ein Mistral von La Spirotechnique zur Verfügung, der auf dubiosen Wegen nach Leipzig gelangt war und für dessen ausführliche Prüfung man extra ein Tragegestell anfertigte. Alle anderen Informationen stammten nur aus wenig detailrei­chen Prospekten und Tauchzeitschriften, die kaum konstruktive Details und wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse vermitteln konnten. Auf westliche Patente hatte man keinen Zugriff. Der Mustermangel lag nicht mal an den paar hundert DM, die man dafür hätte aufbringen müssen, sondern an dem Export-Embargo, dass die NATO-Staaten für militärisch potenziell interessante Ausrüstungen verhängt hatten. Und für die kom­plizierten Wege, die der Bereich Kommerzielle Koordinierung (BKK), kurz KoKo, für besondere DDR-Vorhaben ging, waren Tauchgeräte schlicht nicht wichtig genug. Man machte sich diesmal die Entscheidung nicht leicht und baute extra einen einstufigen Mistral-Klon, rechts im Bild. Wenn man den Zeichnungsdaten glauben darf, geschah dies allerdings erst 1963, als die Entwicklung des 2-stufigen Hydromaten schon kurz vor dem Abschluss stand, selt­ Muster eines 1-stufigen Reglers zur Entscheidungsfindung Vielleicht war man wegen des starken Markter­folges, den der französische einstufige Mistral hatte, doch unsicher geworden und suchte noch­mal eine Bestätigung der Entscheidung von 1961. Der einstufige Regler wurde schließlich wegen des steigenden Atemwiderstandes bei sinken­dem Flaschendruck und des kurzzeitig hohen An-atem-Widerstandes bei Nutzung des Venturi-Ef­fektes abgelehnt. Der „deutsche Ingenieur“ hatte vielleicht auch ein gewisses Misstrauen gegen die minimalisti­sche geniale Konstruktion von Gagnan. Ein 1-Schlauch-Regler missfiel wegen der Sichtbe­hinderung durch Blasen. Auf eine Reserveschaltung wurde trotz des vor­handenen Finimeters erstaunlich viel Wert ge­legt. Sie wurde während der Produktionslaufzeit sogar nochmal grundlegend umkonstruiert (Bil­der 64...67). Diese Schlussfolgerungen wurden 1961 gezogen und gingen in das Pflichtenheft für die Entwick­lung ein. Die Produktion begann jedoch erst 4 Jahre danach, 1965, als man eventuell schon an­ders über moderne Regler dachte und den Erfolg des einstufigen Mistral in Westeuropa gesehen hatte. Lange forderte in der Studie auch, dass unbedingt auch weiteres Tauchzubehör wie Anzüge, Mas­ken, Messer, Gewichtssysteme, Uhren Tiefen­messer,…, Kompressoren, Druckkammern zu ent­wickeln sei, was leider nie wirklich in größerem Umfang umgesetzt wurde. Hier wird aber ein grundlegender Mangel bei die­ser spezifischen Entwicklung erkennbar. Klassisch ausgebildete Maschinenbauingenieure bearbeiteten ein Projekt, das eigentlich tiefge­hende Erfahrungen in dem Fall auf dem Gebiet des Tauchens erforderte, die sie nicht haben konnten. Es gab aber in der DDR durchaus andere Ingenieure, die erfahrene Taucher waren und so etwas leisten konnten. Beispielhaft seien hier ge­nannt der einstufige Zweischlauchregler SW 63 von Karl-Heinz Werner, der vom DAMW der DDR positiv begutachtet wurde [66], und später die Einschlauchregler der CEMA-Reihe von Peter Scharf [67], der in privaten Kleinserien eine weite Verbreitung fand. Der SW63, ein fachgerecht konstruierter, zertifizierter und erprobter Regler, der von MEDI nicht akzeptiert wurde. Diese Geräte waren den MEDI-Entwicklern durchaus bekannt und wurden mit ihnen auch diskutiert. Sie konnten aber wohl nicht über ihren Schatten springen und die Leistungen der "Dilet­tanten" (die sie ja wirklich nicht waren) akzeptie­ren. Und die Gründung eines "Start Up" durch die Er­finder war in der DDR schlicht nicht möglich. Also produzierten sie, geduldet, wie die POSEIDON-Klons von Horst Pastor in Brandenburg für die Orientierungstaucher der DDR, oder "schwarz" wie die CEMA6 bis 8 vom Kollegen Saupe, entwi­ckelt von Scharf/Zimmermann, gute Regler für ihre Sporttauch-Freunde. Das Material und die Maschinenkapazitäten da­für wurden irgendwo abgeknapst und waren also vorhanden, "Privat geht vor Katastrophe". Dieses Prinzip an sich, aber nicht besonders die Tauchregler-Produktion, hat wohl schon zum Un­tergang der DDR beigetragen. Übrigens meint man ja immer, dass in der DDR für den Verteidigungsbereich alles getan wurde. Die Geschichte des sog. KSK18-Reglers stützt das nicht [31]. Die Kampfschwimmer der KSK18 der Volksmarine, damals ausgestattet mit MEDI713 und sowjetischen Tauchgeräten, konnten mit diesen Geräten ihre Aufgaben nicht erfüllen, vor allem, was Tauchdauer und -Tiefe betraf. Sie gin­ Der KSK18-Regler, Eigenbau der Kampfschwimmer Sie brachten einen soliden, einfachen Regler zu­stande, der ihre Zwecke erfüllt hätte. Kurz vor Be­ginn der Kleinserie brannte die Werkstatt mit den Mustern und Werkzeugen ab. Die Entwicklung des Hydromat-Systems bei MEDI, unter der Leitung von Karl-Heinz Lange (Leiter F/E Rudolf Köcher, Mitarbeiter Hendrik Korn, Walter Görner, Hans Pelz,…), lief dann bis zu Stufe ÜK11 im Juni 1964. Es wurden 2 Funkti­onsmuster, 2 Fertigungsmuster und 10 Nullseri­engeräte zum Test bei Hauptanwendern gebaut [13]. Die Erprobungen verliefen zufrieden stel­lend, so dass die Überleitung in die Produktion freigegeben wurde. Prototy aus der Entwicklung im Vergleich zur endgültigen Ausführung Der Hydromat 62004 v1 wurde bereits zur Frühjahrsmesse 1964 in Leipzig vorgestellt, die ersten Geräte sollten Anfang 1965 ausgeliefert werden. Dies scheiterte aber an fehlenden 7-l-Leichtstahl­flaschen, die der DDR-Zulieferer VEB Stahlwerk Apolda eigentlich lie­fern sollte [40]. Also mussten zunächst Leichtstahlflaschen von IWK importiert werden. Die ersten kamen 12/1965… Sie wurden dann Ende 1966 von Flaschen aus Apolda abgelöst. Zu den Hydromat-Geräten sind übri­gens immer mal wie­der Leichtstahlfla­schen im Umlauf, die zur Vermeidung von Innenkorrosion mit einem Kunstharz-An­strich versehen wur­den, was heute zur Ablehnung durch den TÜV führt. Nach [01] stammt dieser An­strich nicht von MEDI und muss wohl wie­der in Eigeninitiative von einem der Haupt­anwender Volksma­rine, Feuerwehr,… eingebracht worden sein. Zur Vermeidung von Außenkorrosion hat man zeitweise bei MEDI mit Beschich­tungen aus glasfaser­verstärktem Polyes­ter experimentiert, solche Flaschen aber dann doch nicht aus­geliefert. Hydromat-Geräte kamen in drei Ausführungsfor­men zum Anwender, als: - 1-Flaschengerät mit einer Trageschale aus glasfaserverstärktem Polyester, - 2-Flaschengerät mit zwei Doppelschellen und einer Brücke mit Abgang (häufigste Form) oder - 3-Flaschengerät mit 2 Dreifachschellen, einer Rohrbrücke und einer mit Abgang. Dazu gab es auch Umbausätze für die Mehrflaschengeräte. Basisteil ist immer die Flasche mit dem Ventil mit Reserveschaltung (Zugstange) und einem Anschluss für das Hochdruckmanometer und des Reglers bzw. der Brücke. Die dritte Fla­sche des 3-Flaschengerätes ist mit einem Ventil mit zwei Abgängen ausgestattet. Die 7-l-Leichtstahlflaschen sind mit grauem, ein­gebranntem Hammerschlaglack versehen und haben einen konvexen Boden ohne Standfuß. Die auch von MEDI hergestellten Ventile (Bilder 61...63) mit zentrischer Spindel haben ein klein-konisches Gewinde, das zunächst mit Bleihüt­chen, später mit Teflonband gedichtet wurde. Zum Gerät, das in einer stabilen Holzkiste gelie­fert wurde, gehören weiterhin der 2-Schlauch-Regler, das Manometer mit Hochdruckschlauch und eine Bebänderung aus polyesterverstärkter Baumwolle. Bei den Mehrflaschengeräten sind die Gurte (Schulter-, Bauch- und Schrittgurt) an den Fla­schenschellen befestigt. Hier kann man auch Auftriebskörper aus PUR-Schaum-Platten zwischen den Flaschen anbringen, da ja noch überwiegend ohne Auftriebshil­fen getaucht wurde. Die Kombinierbarkeit und Austauschbarkeit der einzelnen Komponenten, später dann noch er­gänzt durch einen 1-Schlauch-Regler, macht für mich, neben dem leistungsfähigen und sehr ro­busten Zweischlauch-Regler, den technischen Wert des Hydromat-Systems aus. Dies lässt sogar heute noch die problemlose Nut­zung von Teilen daraus zu. Trotz eingeschränkter Möglichkeiten ist MEDI damit ein guter Wurf ge­lungen. V1 1965: Erste Ausführung des Hydromat-Zweischlauch 62004 G01 V2 1966: Zweite Ausführung Hydromat-Zweischlauch, Logo MEDI und ab 1970 MLW V3 1973: Dritte Ausführung Hydromat mit MD-Anschluss, neuer HD-Dichtung u. Gummi-Handrad Vom 2-Schlauch-Regler 62004 G01 des Hydro­mat-Gerätes wurden drei Entwicklungsstufen ge­fertigt. Die erste 1965 (v1) hatte hochglanzver­chromtes Gehäuseschalen mit dem eingeprägten Logo MEDI. Aufgrund von Reklamationen nach Dauernutzung, auch in Salzwasser, musste man diese Stufe 1966 umkonstruieren. Der Kolben der 2. Stufe verklemmte sich schon bei geringer Korrosion in seiner Führung. Diese neue Bauform war auch etwas matter verchromt und behielt bis 1970 das Logo MEDI. In diesem Jahr wurde dann das Logo im Deckel auf MLW umgestellt und der Chromüberzug war noch etwas grobkörniger. Eine Dichtung aus Makrolon ersetzte die schneller verschleißende aus Hartgummi [15]. Für die nächsten Verbesserungen ab 1973 wurde dann, obwohl seit zwei Jahren schon der Hydro­mat 66 produziert wurde, noch mal eine nomi­nelle Entwicklung durchgeführt (09/1969 – 12/1972 ÜK11, 1970 mit 2,9 VbE [10]). Durch diese erhielt der 2-Schlauch-Regler V3 endlich einen Mitteldruckabgang, leider nicht mit dem heute üblichen Anschlussgewinde. Dies war vor allem dem Einsatz des Trockentauchanzuges Unisuit von Poseidon bei einigen militärischen Tauchern Anfang der 70-er Jahre geschuldet, der einen Anschluss mit Mitteldruck für den Druck­ausgleich und die Tarierung erforderte. Dieser importierte Anzug löste teilweise den Anzug Pin­guin aus DDR-Produktion ab, der keinen Druck­ausgleich ermöglichte und deshalb nur für ge­ringe Tiefen geeignet war (Barotraumen der Haut). Auch das HD-Ventil wurde nochmals verän­dert. Der Kolben mit der eingepressten Dichtung wurde ersetzt durch ei­nen kegligen Ganzme­tall-Kolben, der in einen eingelegten Teflon-Ring drückte. Auch alte Reg-lerkörper mit Ventilkrater konnten damit problemlos nachgerüstet werden. Nur der Kolben war auszutauschen und der Teflon-Ring einzusetzen. Als kleine Fehlerkorrektur wurde noch der Zapfen der Membranplatte in der 1. Stufe verlängert, da dieser bei impulsartigen Belastungen wie z.B. dem schlagartigen Öffnen des Flaschenventils manchmal aus seinem Loch sprang. Auch das konnte bei älteren Exemplaren nachgerüstet werden. Man ersetzte auch den dünnen verbiegbaren Membranring der 1. Stufe durch einen steiferen, der die HD-Membran sicher vor dem Herausrut­schen bewahrte. Außerdem wurde bei der neuen Reglerversion V3 noch das Handrad mit einer Gummiauflage ver­sehen. Das Gehäuse blieb mattverchromt (noch etwas grobkörniger) und mit dem Logo MLW versehen. Leider hatte aber der wohl wenig vorgebildete Konstrukteur, wahrscheinlich, um einen günsti­geren Platz für den Mitteldruckabgang zu finden, einen relativ schwerwiegenden Fehler begangen und das Ventil der zweiten Stufe vom Einatem­stutzen um etwa 120° weg gedreht, was den leichten Venturi-Effekt entfallen ließ und damit zu einem merkbar höheren Einatemwiderstand führte. Nach einiger Zeit versuchte man, dies durch ein verändertes Mundstück zu kompensieren. Die Durchmesser der Einwegventile und der Mund-stück-Kammer wurden vergrößert, um den Eina­temwiderstand wieder zu verringern. Diese etwa nur noch ein Jahr produzierte Ausfüh­rung V3 des Hydromat-Reglers wurde angeblich nur an das MdI (Feuerwehr, Polizei,…) ausgelie­fert und ist heute nur noch schwer zu finden. Der Regler wurde meist mit dem alten Mund­stück und ohne MD-Abgang gefertigt. Der sehr robuste Regler kann prinzipiell auch heute noch eingesetzt werden, z.B. von Fotogra­fen, die vorn keine Luftblasen mögen. In moder­ner Umgebung benötigt er aber 1-2 MD-Abgänge und ev. einen HD-Abgang für das Finimeter. Das lässt sich relativ einfach nachrüsten, wie in [42] und [48] beschrieben. Die Hauptverschleißteile Hauptmembran und En­tenschnabelventil kann man in Silikonausführung kaufen u.a. bei [46]. Der Regler wird damit aber nicht CE-konform, da die entsprechende EU-Norm keine Zweischlauchregler umfasst. Man taucht also auf eigene Verantwortung damit. Mundstück für die letzte Hydromat-Version Demontiertes neues Mundstück Vergleichbare Mundstücke von Dräger oder USD sind wesentlich leichter und kleiner. Hervorzuheben ist für den Hydromat auch noch, dass wie schon beim MEDI 713 Ein- und Ausatem-stutzen am Reglertopf gegenüber den meisten Reglern aus dem NSW vertauscht sind. Der Eina­temstutzen befindet sich bei standardmäßiger Montage (Logo im Deckel senkrecht) an Back­bord. Mundstücke anderer Hersteller lassen sich also nicht ohne weiteres am Hydromat nutzen. Mein Bestreben ist es, meine Zweischlauchregler, problemlos mit allem Zubehör, Mundstücke, VGM,... zu kombinieren. Dazu lässt sich das MEDI-Mundstück einfach modifizieren wie im Bild gezeigt. Dabei kann man die kleineren MEDI­Flatterventile gegen größere z.B. von USD aus­tauschen, um den Fluss zu vergrößern. Außerdem wird bei dieser Konstruktion der Totraum des Mundstücks deutlich verkleinert. Um das Mundstück leicht gegen eine Vollge­sichtsmaske austauschen zu können, sind die Schlauchstutzen mit Schraubringen versehen, die auch helfen, die Schläuche nach Gebrauch wie­der auszutrocknen. Aber ausgerechnet am Ausa­temstutzen, wo das aus empfindlichem Gummi gefertigte Ausatemventil sitzt, fehlt der Schraub­ring, und der Schlauch ist nicht einfach entfern­bar. Überhaupt erscheint der Ausatembereich wenig durchdacht und hat sich auch zu einer Hauptschwachstelle des ansonsten sehr robus­ten Reglers entwickelt. Die Faltenschläuche sind neben der Abbindung mit Takelgarn ursprünglich noch mit Gummikle­ber auf den Stutzen befestigt, was bei einer er­neuten Montage nach einer Wartung aber nicht unbedingt wiederholt werden muss, da sie durch die Sicke ausreichend fest sitzen. Die Fixierung mit Takelgarn ist zwar ungewöhnlich, erscheint aber akzeptabel, da sie wegen der Verschraub­barkeit der Schlauchstutzen eigentlich nur zum Austausch der Schläuche gelöst werden musste. Ungünstige Ausnahme ist hier auch wieder der Schlauchanschluss am Ausatemventil. Um das Ventil zu reinigen oder zu trocknen, ist die Abbin­dung zu lösen und dann neu zu erstellen. In [42] werden für die heutige Nutzung deshalb Änderungsmöglichkeiten genannt. Eine erstaunlich fortschrittliche Eigenschaft des Hydromat-Systems war die Modularität. 1-, 2- und 3-Flaschen-Geräte konnten problemlos zu­sammengebaut werden. Der Einsatz des Zwei­schlauch- oder des Einschlauchreglers war bei al­len möglich. Die Ventile und Brücken dazu waren verfügbar. Flaschenventile des Hydromat-Systems, Fotos von www.medi-leipzig.de Bild 64/65: Reserveventil mit Anschluss für Hochdruckmanometer (1. Ausführung) Viel Wert wurde schon von der Entwicklung her auf eine wirksame und gut bedienbare Re­ serveschaltung gelegt, obwohl alle Gerätevarianten mit einem robusten Manometer ausgestattet waren. Dies resultierte wohl aus dem Einsatz für Arbeits- und Bergungsaufgaben, wo entsprechende Arbeitsschutzanforderungen standen. Beim Einsatz zum Sporttauchen wurde oft nicht mit Reserveschaltungen gearbeitet. Die Reserveschal­tung wurde von MEDI um 1967 herum nochmal konstruktiv verändert, um sie noch zuverlässiger zu machen. Bild 66/67: Reserve- ventil (2. Ausführung) 3.4. 1-Schlauchregler Hydromat 66 62017 Parallel zum 2-Schlauch-Regler wurde 1970 ein 1-Schlauch-Regler bei MEDI in die Produktion eingeführt, der Hydromat 66 (62017, Konstrukteur Hendrik Korn) [26]. Seine erste Stufe ist quasi identisch mit der des 2-Schlauch-Reglers. Die zweite Stufe ist leicht, für den heutigen Geschmack etwas groß, einfach aufgebaut und zu warten. Das Kipphebel-Ventil ist mit dem Druck dichtend und bedarf deshalb eines Überdruckventils am Mitteldruck-Kanal, das beim eigenständigen H66 an der 1. Stufe angebracht ist. Sticker H66 1. Stufe des Hydromat 66, (coloriert von www.medi-leipzig.de ), Foto: U. Barthel Wenn man nur die 2. Stufe als Zweitregler am 2-Schlauch-Hydromaten einsetzt, wofür sie sich natürlich anbietet, ist kein Überdruckventil erfor­derlich, da die zweite Stufe des Kompaktreglers ja gegen den Druck dichtend arbeitet. Eine kleine Besonderheit des originalen Reglers ist der einfache Mitteldruckschlauch aus durchsichti­gem gewebeverstärkten Kunststoff, der wohl auch wieder der Nichtverfügbarkeit von Atemgas zugelassenen Hochdruckschläuchen in der DDR geschuldet war (siehe auch den grobschlächtigen Hochdruck-Hydraulikschlauch am Manometer). [67] vertritt die Meinung, dass zwischen H66 und dem später (um 1979) erschienenen Dräger Secor 200 vor allem intern sehr große Ähnlichkeiten bestehen und hier mal der seltene Fall vorliegt, dass von Ost nach West kopiert wurde. Der Hydromat 66 konnte den älte­ren 2-Schlauch-Regler am Gerät problemlos ersetzen und wurde so zu einem weiteren Bestandteil des modularen Systems. Modulares Hydromat-System mit Einschlauch­regler Hydromat66 oder 62004 1-Schlauchregler Hydromat 66 (Werksfoto) Zweite Stufe Hydromat66 (coloriert von www.medi-leipzig.de) 3.6. Vollgesichtsmasken 13023...26 Passend zum Anschlussgewinde des Mundstücks des 2-Schlauch-Hydromat wurden ab 1965 (Muster schon 1964) bzw. 1969 zwei Vollgesichtsmasken, AT01 und AT03, aus schwarzem Gummi produziert, letztere mit Klappfenster. Dazu gab es ab 1965 noch die AT02, die mit Rundgewinden 40 x 1/7" für die Nutzung mit den 2x4-l-Atemgeräten 1600 bzw. 85105 versehen war, das auch zum Tauchen zugelassen war (z.B. Einsatz bei der Wasserwacht und Feuerwehr). Die Masken sind mit planem Verbundglas versehen und tragen sich mit der 5-teiligen Gummi-Kopf-band-Spinne sehr angenehm. Zwischen der Scheibe und den Mündungen der Schlauchstutzen ist eine Gummimanschette, die Nase und Mund abdeckt und das Beschlagen der Scheibe verhindern soll. Vollgesichtsmaske AT01 Vollgesichtsmaske AT02 für Zweischlauch-Hydromat für Atem-/Tauchgerät 85105 Kurioserweise wurde die Maske AT01 kurzzeitig so produziert, dass die Schlauchmündungen zwischen Frontscheibe und Gummimanschette lagen. Beim Ein­atmen presste sich so die Manschette über Mund und Nase, so dass der arme Taucher immer kurz vor dem Ersticken war. Darauf sollte man schon achten, wenn man jetzt so eine Maske erwirbt, um mit ihr zu tauchen. Fehlentwicklung mit Atemstutzen vor der Manschette Die ersten Masken AT01 sind noch nicht mit Richtungsventilen ausgestattet, so dass Gefahr der Pen­ delatmung besteht. Bei heutiger Verwendung sollte man solche Ventile unbedingt nachrüsten [42]. Die AT03 hatte wohl überwiegend Richtungsventile im Schlauchstutzen und vor allem einen geschlossenen Luftverbindungskanal mit Mundstück, was wegen des geringeren bewegten Volumens ein besseres Atmen ermöglichte. Auch von der AT03 gab es mindestens ein Update. Die Lippendichtung für das Klappfenster war zunächst aus deutlich weicherem hellem Latex-Gummi und später aus dem gleichen schwarzen Gummi wie der gesamte Maskenkörper. Vollgesichtsmaske AT03 mit Klappfenster Vollgesichtsmaske AT03 mit zwei Richtungsventilen mit integrierter Dichtlippe, ... und Luftkanal mit Mundstück 3.5. Sauerstoff-Kreislauf-Tauchgerät RG-UF/M 62015 Bei MEDI hatte man 1959 mit Kreislauftauchgeräten aufgehört (MEDI Nixe). Aber Ende der 60er Jahre entstand der unwiderstehliche Wunsch (LVO), wieder ein Kreis­laufgerät zu entwickeln und zwar als Rettungsgerät für Unterwasserfahrten von Pan­zern. Die DDR importierte all ihre Panzer T54...T72 aus dem Bruderstaat Sowjetunion. Da es zur strategischen Aufgabe dieser Panzer zählte, auch Flüsse zu durchqueren, ge­hörte zur Ausstattung ein Rettungsgerät für Unterwasserfahrten, für den Fall, dass der Panzer dabei geflutet wurde [47]. Die sowjetischen Hersteller lieferten dazu ein Atemgerät, das bei Wassereintritt auf chemischen Wege Sauerstoff erzeugte. Leider lief dieser Prozess erst nach einer ge­wissen Zeit und ab 24°C mit ausreichender Kapazität. Da Reklamationen unter Brüdern nicht "üblich" waren, ging man in der DDR, also bei MEDI, daran, selbst ein wirksames Rettungsgerät zu entwickeln. Auf Beschluss der Staatlichen Plankommission wurden 1974 die Arbeiten zur Tauchtechnik, die nicht LVO-Aufgaben waren (wie RG-UF/M) relativ abrupt und unerwartet bei MEDI eingestellt. Der notwendigste militärische und professionelle Bedarf war eini­germaßen gestillt, und die begrenzten Kapazitäten von MEDI wur­den für exportträchtige Medizin- und Atemtechnik gebraucht. Offizielle Begründung war die Spezialisierung im RGW, Tauchtech­nik sollte in anderen Ländern hergestellt werden. Offensichtlich hatte man aber auch noch viele Neugeräte und Er­satzteile am Lager, um die nächsten Jahre noch liefern zu können, oder die Hauptbedarfsträger hatten vorgesorgt. Deshalb besteht bei vielen Nutzern heute der Eindruck, die Hydromat-Geräte seien bis in die 80er Jahre von MEDI produziert worden. Produktion scheint es bis etwa 1988 wirklich noch gegeben zu ha­ben, sogar noch mit kleinen Verbesserungen, nur eben nicht bei MLW. Zumindest ließ sich im Sächs. Staatsarchiv keine Spur davon finden und meine Zeitzeugen [01/02] verneinten das ausdrücklich. Tauchgerätepass der GST für ein "neues" PTG mit Baujahresangabe 1981 Das RG-UF (RettungsGerät-UnterwasserFahrt, später /M modifiziert) wurde ab 1970 produziert, und man stellte bis 1989 600 bis 900 Geräte pro Jahr her. Diese erstaunliche Stückzahl ist eigentlich nur erklärbar, wenn auch in das SW exportiert wurde, wo­rüber mir aber nichts bekannt geworden ist. In der MLW-Preisliste 1971 ist das Gerät auch als Tauchergerät 62015 deklariert und wird beschrieben als: "Kreislaufgerät mit Drucksauerstoff und Regeneration der Ausatemluft durch Kalkabsorberpatrone, 0,8-l-O2-Flasche 200 bar, 2 h in 10 m Wassertiefe, Masse 7 kg". Als Preis wird IAP 600,00 M + 15% GHS genannt, das Gerät stand für den privaten Kauf nach meinem Wissen aber nie zur Verfügung. Nach der Wende 1990 fanden die großen Restbestände aber guten Absatz bei den Liebhabern des blasenfreien Tauchens im Flachbereich. Zum Einsatz als Sporttauchgerät wird von findigen Sporttauchern der Kalkbehälter wiederbefüllbar ge­macht, die Gegenlunge vergrößert und ... [46]. Die Restbestände werden bis heute weltweit als relativ preiswertes Einstiegsmodell in das Rebreather-Tau­chen von Privatleuten verkauft. Wegen der Konzipierung als Rettungsgerät im Panzer gab es für die Entwickler gegenüber der MEDI Nixe doch einige andere Anforderungen. Das RG musste kompakt und gut tragbar sein, die Kalk­füllung sollte lange haltbar und schnell austauschbar sein, was für geschlossene Patronen sprach. Die chemische Zusammensetzung war eine andere als in Atemschutzgeräten [62]. Daran wäre die Überlei­tung in die Produktion fast gescheitert. Der Atemkalk für das Tauchgerät (75% Kalzi­umhydroxid, 2,5% NaOH, 15% H2O, 1% KOH) kam aus dem VEB Chemie­werk Greiz-Dölau und wurde im VEB Spree-werk Lübben in Patro­nen konfektioniert. Dort benutzte man aber wie für den Atem­kalk der Atemschutzge­räte (Natriumhydroxid) Patronen aus dünnem lackierten Stahlblech. Diese Hülle war für die Lagerung von Kalziumhydroxid je­doch völlig ungeeignet, da die nicht absorbierte Feuchtig­keit die Patronen durchrosten ließ. Die von der NVA im Pflichtenheft der Entwicklung geforderte Standzeit von mindestens 2 Jahren (zunächst sogar 3 Jahre) wurde bei weitem nicht eingehalten. Nach vielen Versuchen mit Beschichtungen (die verchromten Messing-Behälter der Nixe wären zu teuer und zu schwer gewesen) gab man auf und importierte Polycarbonat für die Patronen. Das RG besteht aus einem auf der Brust zu tra­genden Kunststoff-Behälter 370 x 350 x 140 mm³, der die nicht nachfüllbare 1-kg-Atemkalk­patrone, eine 0,8-l-Sauerstoff-Flasche 200 bar und den Sauerstoff-Druckminderer und Dosierer enthält. Daran befestigt sind die relativ kleine um den Hals liegende Gegenlunge und die Faltenschläuche zum Ein- und Ausatmen mit dem Mundstück. Das Ganze wiegt im Einsatzzustand nur 7 kg. Zur Ausrüstung gehörte noch eine einfache Tauchermaske. 1979 wurde das Gerät leicht überarbeitet, als RG-UF/M (modifiziert) erhielt es u.a. ein neues Mund­stück und eine Gegenlunge aus schwarzem Gummi. Dann lief die Produktion wohl bis 1989. Für die Befüllung der O2-Flaschen verwendete man bei der NVA, wie schon für die der Atemschutzgeräte, Speicherfla­schen und extra entwickelte hand- oder motor-betriebene O2-Pumpen. O2-Umfüll-pumpe 521A/63010 von MEDI, wie man sie heute noch bei e.ay kaufen kann. Motorgetriebene Sauerstoff-Umfüllpumpe Panzerbesatzung vor der Unterwas­serfahrt, Foto von www.kotsch88.de